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2. januar 2011

vom gemurmel

"Zu allen Zeiten und in allen Kulturen", sagte Nandan, "hat es Menschen gegeben, die es irgendwie geschafft haben, dieses unablässige Gemurmel in ihrem Kopf abzustellen. Sie haben, bildlich gesprochen, die Wand überwunden. Diese Menschen machten alle eine ähnliche Erfahrung: Soweit sie danach überhaupt noch in der Lage waren, irgend etwas zu sagen, beteuerten sie nämlich übereinstimmend, dass jenseits des Gemurmels etwas existiere, das so gewaltig und überwältigend sei, dass man es unmöglich beschreiben könne. Man könne es nur selbst besuchen und erleben, keinesfalls mitteilen. Das ewige Dilemma von Mystikern. Sie wissen etwas, sie haben etwas gefunden, das jeder Mensch zu suchen scheint, aber sie können es leider nur sein. Sie können es selbst nicht geben.

Aber gut, genügend Menschen lassen sich durch die Begegnung mit diesen transformierten Rückkehrern immerhin dazu verleiten, selbst den Versuch eines Besuches jenseits der Wand zu unternehmen. Und wenn auch kein Mystiker jemals Worte für für seine Erfahrung gefunden hat, so haben doch sehr viele von ihnen eine Landkarte oder eine Wegbschreibung hinterlassen, wie sie an die Wand oder darüber hinaus gelangt sind. Diese Wegbeschreibungen sind sehr unterschiedlich, denn sie sind von sehr unterschiedlichen Reisenden für sehr unterschiedliche Leser verfasst worden, nicht selten auch von Chronisten, welche die Route nur vom Hörensagen kannten. ...

Alle beginnen am gleichen Ort: hier und jetzt, mitten im Gemurmel, das in unseren Köpfen im Gang ist. Die meisten religiösen Texte sind solche Wegbeschreibungen. Meist beschreiben sie alte Pfade, beschwerliche Routen ohne schöne Aussichten bis kurz vor dem Ziel. Es gibt auch keine bequemen Herbergen. Aber so reiste man eben vor zwei- oder dreitausend Jahren. Man hatte mehr Zeit und war anspruchsloser. Für spätere Wanderer sind diese alten Wege kaum noch passierbar. Die alten Wegbeschreibungen waren für einen ganz anderen Menschentyp gemacht, für Bergsteiger, nicht für Spaziergänger. Daher sind die alten Texte heute weitgehend unbrauchbar."

Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen, S. 371

 

 
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